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Geskens Geschichte(n) NaNo

01. Wie eine Glückskatze – Vorwort

Diesem Tag habe ich entgegengefiebert. Jetzt geht’s los mit der Rohfassung meines Buches für den NaNoWriMo 2021. ich wünsche Euch gute Unterhaltung, obwohl manches sicherlich noch holprig ist.

Liebe Grüße

Paula Grimm
VORWORT
„Wenn ik groot bün, fang ik Möörder.“ Auch an diesem Morgen fragte sich Emma Paulsen nicht, wie oft ihr dieser Satz schon in den Sinn gekommen war. Das, was Gesken bei der Beerdigung ihrer Mutter Imke Eisenbeiß gesagt hatte, wurde davon, dass sich Emma an diesen Satz unzählige Male erinnert hatte, nicht durch die Zeit oder das Erinnern verbraucht.

„Wenn ik groot bün, fang ik Möörder“, klang in Emma immer noch ruhig, deutlich und ganz schlicht. Es war von Anfang an kein Versprechen, keine Drohung und kein Wunsch gewesen. Es war eine bloße Feststellung und blieb es auch über die 20 Jahre hinweg, die inzwischen vergangen waren.

Heute war der 07. Juli 1969. Emma war auf dem Weg zu dem kleinen Hafen von Hinrichskog, in dem die Seeadler vor Anker lag. Auf der Seeadler war Emma mit ihren Freundinnen Wencke Holthuus und Rike Schmolcke verabredete. Das Schiff war seit über 30 Jahren das Zuhause von Wencke, die sich selbst versprochen hatte, mindestens bis zu ihrem 90. Geburtstag auf der Seeadler zu bleiben.

Ihre Chancen sich diesen Wunsch zu erfüllen, standen gut. Denn im nächsten Frühjahr, am 06. Mai 1990 würde sie diesen Runden Geburtstag feiern. Und sie erfreute sich guter Gesundheit. Emma dachte oft an Wenckes Wunsch und hoffte, dass ihrer langjährigen Vertrauten vielleicht noch ein paar Jährchen mehr in ihrem Zuhause vergönnt sein würden.

„Wenn ik groot bün, fang ik Möörder“, war nicht nur für Gesken, die damals, als sie diese Feststellung getroffen hatte, erst ungefähr dreieinhalb Jahre alt gewesen war, ein guter Satz. Auch für Emma, Geskens Tante, die das Mädchen nach der Ermordung der Mutter am 07. Juli 1969 aufgenommen hatte, war dieser Satz schon etwas wie ein Segen geworden. Er veränderte sich nicht nur nicht. Er fügte sich immer, wenn er Emma ins Gedächtnis kam, in die Situation ein, in der sie sich befand. Und das war auch immer in Situationen so, die im Grunde nichts mit diesem Satz zu tun haben konnten. Ob das wohl darauf zurückzuführen war, dass es sich um eine bloße Feststellung handelte?

Als Emma am Morgen des 07. Juli 1989 den Strand von Hinrichskoog entlang ging, hörte sie den Satz, „Wenn ik groot bün, fang ik Möörder“, der sich geradezu an das Rauschen des Meeres, das Knirschen des Sandes unter Emmas Schritten und die leichte Brise anschmiegte. Und Emma fühlte sich leicht und frei, obwohl sich ihre Freundinnen und sie für den heutigen Tag und die kommende Nacht viel vorgenommen hatten. Und es war klar. Es sollte gerade auch um die Dinge gehen, die in den letzten zwei Jahrzehnten nicht leicht und angenehm gewesen waren. So hatte Emma in ihrem Rucksack nicht nur die Zutaten für Speckpfannekuchen und Friesengeist, sondern auch ihr Tagebuch aus dem Jahr 1969.

Als Emma das Deck er Seeadler betrat, stand die Luke offen und Kaffeeduft kam ihr entgegen. Sie stieg nach unten in das Schiff, wo Wencke und Rike bereits am gedeckten Frühstückstisch saßen und ohne Ungeduld auf sie warteten.

2Moin“, sagte Emma mit ihrer tiefen, leicht rauen Stimme. Sie stellte ihren Rucksack ab und räumte die mitgebrachten Lebensmittel in den Kühlschrank. Die Speckpfannekuchen sollte es zum Mittagessen geben und den Friesengeist wollten die Frauen am Abend zubereiten.

Emma setzte sich auf ihren angestammten Platz an Wenckes Tisch und groß sich Kaffee ein. Wencke stand auf, holte eine Sektflasche, ließ den Koren ordentlich knallen, bevor sie das Getränk ausschenkte.

Die Frauen erhoben die Gläser und sahen sich an.
„Uff wat stoßen wer jetze an?“, fragte Rike.
„Auf den Satz, wenn ik groot bün, fang ik Möörder“, schlug Wencke vor und lächelte dabei.

Emma fragte sich, ob jemand jemals auf eine bloße Feststellung angestoßen hatte, die bereits vor zwei Jahrzehnten getroffen worden war. Aber irgendwie passte das hier und jetzt. Also nickte sie ihren beiden Freundinnen zustimmend zu.

„Auf, wenn ik groot bün, fang ik Möörder“, sagte die Hausherrin und die Gläser klirrten.

Nachdem jede von ihnen vom Sekt zumindest einen Schluck getrunken hatte, begann das gemütliche Frühstück, mit starkem Kaffee, dunklem Brot, reichlich Wurst, Käse und Honig von Emmas Bienen.

„Hast Du auch Dein Tagebuch dabei?“, fragte Rike Emma. Die bückte sich und nahm ihre Kladde aus ihrem Rucksack.

Es war klar, dass Emma anfangen musste. Mit dem Tod ihrer Halbschwester hatte alles, worum es heute gehen sollte, begonnen. Heute sollte es den ganzen Tag um Gesken gehen, um ihre Kindheit. Die Frauen wollten wissen, ob sich an Gesken, die schließlich auch Emmas Adoptivtochter geworden war, die afrikanische Weisheit bewahrheitet hatte, die da lautete: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“

In gewisser Weise war die Sache Klar. Denn Gesken hatte vor wenigen Tagen die Zulassung als Anwärterin für die Kriminalpolizei erhalten, nachdem sie eine gewisse Zeit als medizinisch technische Laborassistentin für die Kriminalpolizei gearbeitet hatte. „Wenn ik groot bün, fang ik Möörder“, war sie also einen entscheidenden Schritt näher gekommen.

Doch den drei Frauen, die alle ein besonderes Verhältnis und eine besondere Geschichte mit Gesken hatten, waren sich bewusst, wie hart der Weg bis zu diesem wichtigen Schritt gewesen war. Emma, Rike und Wencke standen lange schon mitten im Leben und wussten, dass sich hinter vielen scheinbar offensichtlichen Dingen Abgründe auftaten.

jede der drei Frauen wusste um das Verhältnis und die Geschichte der beiden anderen mit Gesken. Aber heute wollten sie sich der Details annehmen. Sie wollten sich auch einmal einen Tag lang ausschließlich mit Geskens Belangen vor allem mit ihrer Kindheit befassen.

Während des Frühstücks sprachen sie wenig. Sie redeten ein Bisschen über Emmas Enkeltöchter, die vor zwei Wochen geboren worden waren und von Rikes Halbschwester Hedwig, deren Mann vor einem halben Jahr verstorben war, die jetzt im Alter von 76 Jahren wieder aktiv auf Männerjagd ging.

Sie waren ungefähr schon eine Stunde beisammen, als sie zu ende gefrühstückt hatten und die Lebensmittel in den Kühlschrank und das Geschirr in das Spülbecken räumten. Dann goss Wencke noch einmal die großen Kaffeetassen voll und Emma nahm ihr Tagebuch zur Hand.

In den vergangenen Tagen hatte sie es mehrfach aus der Schublade geholt, darin gelesen und einige Überschriften eingefügt, die ihr sinnvoll erschienen waren. Brauchte es die Titel überhaupt? Waren die Titel wirklich nötig? Hätten die vorhandenen Datumsangaben nicht genügt?

Rike und Wencke würden es ihr schon sagen, wenn da zu viel oder zu wenig in ihrer Lesung enthalten sein würde, wenn ihr Vortrag nicht angemessen sein sollte.
Als Emma das Buch aufschlug, beugte sich Rike zu ihr herüber und betrachtete das Geschriebene. Obwohl sie einander seit Juli 1973 kannten, hatte die 86jährige Emmas Handschrift noch nie gesehen.
„Eine kleine ordentliche Handschrift aber ooch wirklich hübsch“, meinte sie und lehnte sich bequem in ihrem Stuhl zurück, um dem Vortrag ihrer Freundin aufmerksam zu lauschen.

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02. Wie eine Glückskatze – Eine schlaflose Nacht I.

WIE EINE GLÜCKSKATZE – Emma Paulsen

EINE SCHLAFLOSE NACHT

Hinrichskoog, Dienstag, 08. Juli 1969

Heute werde ich nicht so einfach zur Ruhe kommen wie sonst. Es ist viel passiert seit der vergangenen Nacht. Also muss ich jetzt erst einmal richtig Ordnung in meinen Gedanken und Gefühlen machen. Das mache ich ja schon lange mit meinen Tagebüchern. Mit zwölf habe ich angefangen, damals in der Waschküche des Hauses, das meinem Stiefvater gehörte. Und in den 20 Jahren, die vergangen sind, habe ich nie ganz damit aufgehört.

Auch um mich her will es heute einfach nicht still werden. Über mir geht meine Mutter in ihrem Zimmer auf und ab. Nein, sie geht nicht. Sie stampft. Sie ist wieder einmal sehr wütend, wütend auf mich. Wie eigentlich immer hat sie behauptet, ich sei an allem Schuld. Schuld an dem, was passiert ist, sind wir wohl alle irgendwie. Wir haben alle nicht genug aufgepasst. Und vielleicht hätten wir auch eingreifen können.

Aber am Besten ist es wohl, wenn ich ordentlich von Anfang an erzähle, was in den letzten nicht einmal 24 Stunden passiert ist.
Es war noch nicht einmal halb zwölf in der vergangenen Nacht, als ich vom Küchentisch aufstand, um Stopfgarn und Stopfei in meine Handarbeitsschublade zu legen. Da schlug plötzlich unsere Bläss in ihrer Hütte an und ein Motorengeräusch war zu hören.

Der Wagen hielt vor unserem Hoftor. Ich hörte Schritte von mindestens zwei Leuten, die über den Hof auf das Haus zu kamen. Es klingelte an der Haustür.

Ich ging, um aufzumachen. Vor unserem Haus standen zwei Polizisten. Der eine war von bulliger Gestalt und mochte wohl so Anfang vierzig sein. Der andere war etwas jünger, kleiner als sein Kollege. Er hatte ein schmales Gesicht mit Adlernase. Sein Kopf sah zu klein aus für seinen massigen Körper. „’nabend, sind Sie Frau Gesken Paulsen?“, fragte der Kleine.
„Jo, ich bin Emma Paulsen“, antwortete ich langsam wie immer, wenn ich hochdeutsch sprechen soll.

„Es tut uns leid. Aber wir haben eine schlechte Nachricht für sie. Dürfen wir ‚rein kommen?“ Auch das sagte der Kleinere.

Ich trat einen Schritt zur Seite, um ihnen den Weg frei zu machen. Dann zeigte ich auf die offene Küchentür und ging vor. „Setzen Sie sich doch. Möchten Sie etwas trinken?“

Die beiden setzten sich lehnten aber ab, etwas zu trinken.
„Frau Paulsen, wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass Ihre Schwester Imke Eisenbeiß tot ist.“ „Tot?“
„Sie ist getötet worden“, meinte der Kleine, der offenbar immer das Sagen hatte, ruhig.
„Sie wurde heute Abend erstochen, wahrscheinlich von ihrem Ehemann. Hat der sich vielleicht bei Ihnen gemeldet? Oder ist er vielleicht sogar hier vorbeigekommen?“

Ich schüttelte den Kopf. Und mir war klar, dass ich dabei ein ungläubiges Gesicht machte.

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es irgendetwas gibt, dass Viktor Eisenbeiß dazu bringen könnte, ausgerechnet zu uns auf den Hof zu kommen. mit meiner Mutter haben sich Imke und Viktor in den letzten Jahren immer in Jensum getroffen. Das sagte ich den Polizeibeamten auch und wunderte mich, warum ich überhaupt noch klar denken konnte.

Während ich jetzt so darüber nachdenke, kommt mir der Verdacht, dass es an der ruhigen Atmosphäre in meiner Küche und an dem Schweigen von dem „Bullen“ lag, dass ich gelassen bleiben konnte.

Als dann auch noch ein kurzes Schweigen entstand, weil auch der andere Polizeibeamte nichts mehr sagte, gingen mir merkwürdige Gedanken durch den Kopf. Nein, sie gingen nicht einfach. Sie rasten. Mir fiel zum Beispiel ein, dass Imke bei jeder Gelegenheit darauf bestanden hatte, dass sie und ich nur Halbschwestern sind. Hätte ich bei ihrer Erwähnung durch den Polizisten diesmal diejenige sein müssen, die auf diesen Unterschied Pocht, damit die Fortsetzung einer ihrer Gewohnheiten über ihren Tot hinaus weisen konnte? Denn es ist ja nicht gleichgültig, wie Lebende Tote endgültig gehen lassen.

Wie dem auch sei. Ich sagte nicht, dass wir nur Halbschwestern gewesen waren. Jetzt vermute ich, dass es nicht falsch oder zumindest nicht ganz falsch gewesen war, dass ich die Familienverhältnisse nicht ansprach. Davon wird in der nächsten Zeit unsere Mutter oft genug Gebrauch machen.

Plötzlich war da eine Wiederholschleife in meinem Kopf.
„Erstochen vom eigenen Mann. Erstochen vom eigenen Mann….“
Zuerst verstand ich nicht, warum meine Gedanken immer diesen Satz in einem schnellen Rhythmus wiederholten. Kaum war mir die Wiederholung ganz deutlich bewusst geworden, da fiel mir auf einmal auch ein, was das sollte. Diese Wiederholung wies mich auf etwas Wichtiges hin. Aber auf was?

Und dann fragte ich mitten in die Stille und in die Richtung der Polizisten: „Wat is mit der deern?“

Hatte ich das schweigen zu plötzlich gebrochen. Ich weiß es nicht. Die beiden sahen mich mit verständnislosen Mienen an. Also wiederholte ich meine Frage ganz langsam und auf hochdeutsch. „Was ist denn mit dem kleinen Mädchen?“

Der Redeführer der beiden, der sicherlich immer das Wort führte, weil er an sich besser reden konnte, brauchte seine Zeit, um meine Frage beantworten zu können.
„Wir gehen davon aus, dass das Kind gesehen hat, dass seine Mutter getötet wurde. Dann ist der Vater aus dem Haus und mit seinem Auto abgehauen. Und das Kind ist zu einer Nachbarin gelaufen. Da ist es jetzt noch. Irgendwie hat die Frau es geschafft, dass es eingeschlafen ist. Wahrscheinlich war es auch todmüde von dem, was passiert ist. Jedenfalls ist es noch bei der Frau, ähm, Jensen.“ „Und was wird mit Gesken passieren?“
„Mit Gesken?“, fragte der Polizist verwirrt.
„Das Mädchen heißt Gesken und wird im Dezember erst vier Jahre alt.“ Das erklärte ich ganz langsam und wahrscheinlich übertrieben deutlich. Ich hoffe nicht, dass der Mann sich fühlte wie ein unverständiges Kind, das im übertrieben geduldigem Ton belehrt wird.
„Es wird geprüft werden, ob sie bei irgendwelchen Verwandten untergebracht werden kann oder in ein Heim muss.“

Als er das Heim ansprach, dachte ich nur: „Da sei Gott vor.“ Zu mehr reichte es erst einmal nicht.

Der kleine Polizist fragte dann noch ein paar Sachen, zum Beispiel, wann ich meine Schwester zum letzten Mal gesehen hatte, was ich von dem Eisenbeiß wusste, wann ich ihn das letzte Mal getroffen hatte.

Am Ende bekam ich noch eine Vorladung für heute Nachmittag und den Auftrag mit meinem Mann und meiner Mutter zu sprechen, die ebenfalls eine Aussage würden machen müssen.

Es war kurz nach Mitternacht, als sie aufstanden und gingen. Da saß ich nun in meiner Küche und wartete auf Hein, der zum Skatspielen in den Dorfkrug gegangen war. Mutter war in Husum bei einer alten Freundin und wollte erst heute Vormittag wieder kommen. Ein Telefon haben wir ja noch nicht. Also konnte ich sie nicht gleich verständigen. Wie ich mich kenne, hätte ich sie auch nicht angerufen, wenn die Möglichkeit dazu bestanden hätte. So etwas kann man doch eigentlich nicht am Telefon sagen.

Als ich das Geräusch des Polizeiwagens nicht mehr hören konnte, ging ich, um Wasser für einen frischen Pfefferminztee aufzusetzen.

Nur kurz, als ich Wasser in den Kessel füllte, dachte ich an Imke. wir waren uns nie sehr nah. Sie war ja eine der beiden schönen Zwillingstöchter aus der zweiten, der richtigen Ehe, meiner Mutter. ich sah Imke in dem teuren roten Sommerkleid, in dem ich sie vor zehn Tagen in ihrem Haus in Jensum gesehen hatte. Woher wusste die Polizei, dass die Tote, die an diesem Abend gefunden worden war, Imke war? Wer hatte erkennen müssen, dass sie es gewesen war, die erstochen worden war? War Ilse, ihre Zwillingsschwester diejenige, die sie hatte identifizieren müssen? Es war mir unmöglich mir Imke tot, erstochen, vorzustellen. Was ich mir aber sehr deutlich vorstellen konnte, war das Entsetzen von Ilse, obwohl ich „Mutters kleinen Sonnenschein“ bisher nie mit einem entsetzten Gesicht gesehen hatte.
Schnell schüttelte ich die Gedanken an meine Halbschwestern ab. Denn da gab es etwas Wichtigeres. Das spürte ich genau. Und während das Wasser auf dem Herd heiß wurde, kam mir wieder eine Gedankenschleife in den Sinn. „Oder in ein Heim muss, oder in ein Heim muss.“

Es war eine lange Gedankenschleife, die ich immer noch hörte, als der Wasserkessel pfiff. Ich nahm ihn vom Herd und goss das Wasser in die Kanne. Dann ging ich zum Tisch, auf den ich schon meine große Tasse gestellt hatte.

„Oder ob sie in ein Heim muss“, durfte nicht das letzte Wort sein. Der Gedanke hatte sofort, als er mir gekommen war, damit angefangen, meine Nerven und meine Seele wund zu scheuern.

„Oder ob sie in ein Heim muss.“
„Da sei Gott vor“, dachte ich und fügte hinzu: „Nee, se kummt to uns. Se shall bi uns tohuus wesen.“

„Nanu, wat is denn los? Worüm snackst du denn mit die Selvst?“, fragte Hein mich plötzlich. Ich hatte ihn gar nicht kommen hören.

Ich zuckte zusammen und brauchte einen langen Augenblick, bis ich wieder ganz bei mir, in der Küche und bei Hein war. Ich sah mich zu ihm um. Er stand noch in der Küchentür. Dann zeigte ich auf seinen Platz. Er kam und setzte sich zu mir.

„Wat is denn nu los?“, fragte er noch einmal.

Ich stand erst einmal auf, nahm das Netz aus der Teekanne, brachte es zur Spüle und holte auch Heins Tasse an den Tisch. Er goss uns Tee ein.

„Imke is doot. Wohrschienlich hett de Viktor se verstocken.“

Die meisten Leute denken, dass der Hein schwer von Begriff ist. Aber das stimmt nicht so ganz. Meistens versteht er schnell, was Sache ist. Was nur länger dauert, ist, dass man auch sehen kann, ob er verstanden hat oder nicht. Was auch länger dauert aber wahrscheinlich Absicht und oft auch gut ist, ist, dass der Hein sich Zeit nimmt, um seine Schlüsse aus dem zu ziehen, was um ihn her passiert ist, und was er verstanden hat.

„Un wat is mit de deern?“, fragte er schließlich. Und ich erzählte ihm, wortwörtlich, was der jüngere Polizist mir gesagt hatte. „Da sei Gott vor“, erwiderte mein Mann. Ich nickte nur.
„Se kummt to uns. Se shall bi uns tohuus wesen.“

Plötzlich sah mich mein lieber Hein erschrocken, dann entsetzt und schließlich verzweifelt an.

Es blieb lange vollkommen still um uns herum. Dann fragte Hein: „Büst du dir seker, dat wi god Öllern für Gesken wesen könnt?“ Ich nickte einfach nur.
Wir sind seit meinem 21. Geburtstag verheiratet, der Hein und ich. Und ich kann es immer wider nur sagen, schreiben und denken. „er ist alles für mich, was ein Mann für eine Frau sein kann. Er ist wie der Vater, den ich nie kennenlernen durfte. Er ist ein treuer Freund und er ist der beste Ehemann der Welt. Und wenn dieser Mann, der 20 Jahre älter ist als ich, Zweifel hat, dann ist das ganz wichtig. Wenn ein solcher Mann Zweifel hat, dann muss man mit ihm reden, dann muss man sich den eigenen Zweifeln stellen, auch wenn man die noch gar nicht kennt.

Wenn ich eine Entscheidung treffe und sich in mir kein ungutes Gefühl meldet, kein mahnender Gedanke kommt, ist das immer ein gutes Zeichen. So war es auch gewesen, als ich vor mich hingesprochen hatte: „Se kummt to uns. Se shall bi uns tohuus wesen.“

Dass in mir kein Widerspruch laut geworden war, war ein gutes Zeichen. Aber mehr war es nicht. ich musste der Spur des guten Zeichens nachgehen. Und mein lieber Hein ließ mir die Zeit dazu.

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03. Wie eine Glückskatze – Fortsetzung von eine schlaflose Nacht

Der Tee in der großen Kanne und ein langsames Gespräch, das ungefähr eine Stunde dauerte, reichten, um uns ganz und gar darauf zu verständigen, dass wir nach Möglichkeit Gesken in unsere Familie aufnehmen wollten. Wir mussten uns eingestehen, dass für Gesken nur das Leben in einem Kinderheim oder das Leben auf unserem Hof in Frage kamen.
Ilse, die ihrer Zwillingsschwester Imke natürlich sehr nahe gestanden hatte, hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass sie Gesken nicht mochte. Dabei kannte sie das Kind kaum Aber ihr und unserer Mutter reicht es schon, dass Gesken unserer Großmutter ähnlich sieht genau wie ich.

Mutter will Gesken sicherlich nicht im Haus haben. Das wird dem Kind und mir sicherlich schwer zu schaffen machen. Warum habe ich mich auch darauf eingelassen, Mutter aufzunehmen, nachdem sich ihr zweiter Mann, Dr. Florian Beckmann tot gefahren hat? Warum habe ich nachgegeben, als sie jammerte, sie könne nicht allein leben? Warum habe ich nicht darauf bestanden, dass sie nicht hier bei uns bleiben kann, sondern zu einem ihrer drei Lieblingskinder ziehen soll? Aber, wie dem auch sei. Jetzt lebt sie hier bei uns. Und sie wird sich nicht mehr vertreiben lassen.

„Gesken is en schrecklich Verwunnern wederföhren. Dit Verwunnern kennt wi noch nich. Köönt wi ehr wirklich helpen? Wi sünd doch bloot ganz lichte Lüüd.“

Er hatte natürlich recht. Wir sind bloß ganz einfache Leute, Gesken ist ein schreckliches Unheil widerfahren, ein Unheil, das wir noch nicht kennen.

Aber es stimmt auch, dass sich niemand außer uns ihrer annehmen wollen wird.
Darum antwortete ich meinem Hein: „Buten uns schall ji nüms helpen wüllen. Un elk Verwunnern is anners als all ännern un dat is anners as wi dat faken kennt.“

Nachdem ich das gesagt hatte, entstand eine Pause, in der wir uns tief in die Augen blickten. Endlich nickte Hein mir zu.

„Du schasst dat richtig maken“, sagte er, stand auf und legte mir einen Arm um die Schulter. Ich stand auch auf, sah ihm fest in die Augen und meinte:
„Nee, Hein, wi schöölt dat richtig doon.“

Mein Blick hielt seinen noch immer fest. Ich sah wie seine Zweifel ganz langsam von meiner und auch ein Stück weit schon von seiner Überzeugungskraft zersetzt wurden. Es war klar. In der nächsten Zeit würden neue Zweifel an ihre Stelle rücken und wie die Ersten zersetzt werden müssen. Ich werde Geduld brauchen.

Hein sagte nichts mehr. Schließlich wendete er sich von mir ab, ging aus der Küche und zu Bett. Wir hatten wie immer einen langen Tag gehabt.

Ich setzte mich wieder an meinen Platz. Aber allein herumsitzen ist nicht meine Art und ist, außer wenn man krank ist, bei nichts.

Also stand ich nach einigen Minuten auf, holte eine Gästedecke aus dem Schrank im Flur, ging in die gute Stube, zog mich aus und streckte mich gut zugedeckt auf dem Sofa aus.

Mir war klar, dass ich nicht würde schlafen können, obwohl es ein langer Tag gewesen war. Gut zugedeckt zu liegen tat mir aber gut. Einige Arbeiten, gehen und liegen helfen fast immer, wenn etwas in mir arbeitet, wenn ich an mir selbst arbeiten muss. Dabei ist es gleichgültig, ob ich eine schwierige Aufgabe oder einen Kummer habe.

Als ich so dalag, wurden natürlich viele Bilder und Gedanken in Gang gesetzt. Manches kommt nur durch Ruhe in Gang. Und es ist wichtig aber unangenehm, diese Bewegungen zuzulassen.

Plötzlich sah ich dann doch, wie Imke in ihrem Blut in ihrer Küche lag. Es kam mir vor, als ob ich neben Gesken auf ihrem Bett saß und zusah. Viktor war rasend. Mir wurde klar, dass er in Raserei auf Imke eingestochen haben musste. Es war schrecklich anzusehen, was er tat, obwohl es längst vorbei war und nur noch in meiner Vorstellung passierte.

Es war merkwürdig, dass ich wusste, dass es genauso gewesen war, wie ich es jetzt, Stunden später, sah. Etwas in diesem Geschehen, hatte etwas nahezu Selbstverständliches an sich. Ich bin versucht, zu sagen, dass es hatte so kommen müssen. Es geschieht meistens das, was Menschen nicht erwarten. Es geschieht, einfach weil es geschehen kann. Zwischen eigen- und geltungssüchtigen Menschen wie Imke und Viktor kann es auch zu so etwas kommen, weil zwischen ihnen immer Spannung herrscht und Unruhe, die von einer Sekunde zur anderen zur Raserei werden kann.

Menschen wie Viktor und Imke können nicht miteinander und auch nicht ohne einander sein. Sie hatte ihn wohl verlassen wollen.

Was aber war mit Gesken? Das Kind hat lernen müssen, so unauffällig als möglich zu sein, um so wenig als es eben geht, von der Eigensucht ihrer Eltern ergriffen zu werden, um nicht in ihren Machtkampf zu geraten.

Und am vergangenen Abend hatte sie sich ganz still gemacht, erfolgreich tot gestellt. Damit war sie, wie soll ich es nennen, unter dem Radar der Wahrnehmungen ihres Vaters geblieben. In seiner starken Überreiztheit und seinem Aktionsfieber war es ihm unmöglich gewesen, außer sich und der Quelle seines Aktiionszwangs und seiner Überreiztheit überhaupt noch etwas anderes wahrzunehmen. Das hatte Gesken gerettet.

Andere Bilder kamen mir dann schließlich auch noch in den Sinn. Seit Meta, die eine Großtante von Viktor ist, nicht mehr bei Imke und Viktor im Haus lebt und arbeitet, sondern bei ihrer Tochter versorgt wird, fuhr ich alle 14 Tage mit dem Bus nach Jensum und machte im Haus klar Schiff. Nur zweimal hatte ich Gesken gesehen, wie sie aus dem Haus gegangen war. Imke schickte sie häufig weg. So machte es unsere Mutter früher auch mit mir, nachdem sie mit dem Dr. Beckmann verheiratet gewesen war und Kinder von ihm bekommen hatte.

In der vergangenen Nacht sah ich Gesken, wie sie draußen am Haus ihrer Eltern stand und mich unaufdringlich aber genau beobachtete. Dann lief sie plötzlich davon. Sie vermutete wohl, dass ihre Mutter kommen würde, um sie zumindest bis zum Abend vom Hof zu jagen.

Bei meinem letzten Besuch hatte ich Gesken ins Haus gelockt. Sie zögerte mein Angebot, eine heiße Schokolade, anzunehmen.

Als Imke mich und ihr Kind in der Küche sah, wurde sie wütend sagte aber nichts. Ich war eben doch ihre große Schwester.

Als Gesken schließlich ging, weil ihre Tasse leer war und sie den Blick ihrer Mutter nicht mehr aushielt, konnte ich es einfach nicht lassen, ein paar klare Worte an Imke zu richten.

„Du musst Dich ordentlich um Gesken kümmern. Man sieht, dass Du das nicht tust. Sie ist nicht gut genug gekleidet und bekommt wohl auch nicht regelmäßig zu essen.“

Als ich sie beim letzten Besuch so angesprochen hatte, sagte ich es nicht. Aber auf der Rückfahrt überlegte ich mir schon, was ich denn tun könnte, um dem Kind wirklich zu helfen. Und ich war versucht meine eigene Halbschwester anzuzeigen. In der vergangenen Nacht war ich hin- und hergerissen, was mein Zögern betraf. Wenn ich sofort etwas getan hätte, wäre Gesken das, was ihr am vergangenen Abend widerfahren war, vielleicht erspart geblieben. Aber nur, wenn die Behörden schnell genug ihre Arbeit getan hätten. Wäre sie dann in ein Heim gekommen? Oder hätte ich die Möglichkeit gehabt, sie doch zu mir zu nehmen?

Kurz bevor der Hahn krähte, kam ich mit mir überein, dass wenn und aber niemanden, auch mir nicht helfen. Also stand ich auf, wusch mich gründlich, was mich gut erfrischte und begann mit meiner alltäglichen Arbeit.

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04. Im Bus – Wie eine Glückskatze – NaNoWriMo 2021

IM BUS

Der Hein und ich versorgten die Tiere. Dann machte ich Frühstück, trank eine Tasse Kaffee und aß ein Schwarzbrot mit Honig und Hein frühstückte mit mir zusammen. Thorsten und Malte haben gerade Ferien vom Kindergarten und von der Schule und müssen deshalb nicht früh aufstehen.

Ich fragte Hein, ob ich nach Jensum fahren könnte, um zu sehen, was mit Gesken ist, und um sie vielleicht schon abzuholen. Hein meinte nur: „De ole Brockmann warrt mi seker geern helpen.“

Also machte ich mich auf den Weg, um den Sieben-Uhr-Bus nach Jensum zu nehmen.

Als ich an der Bushaltestelle stand, kam plötzlich die gesamte Prominenz, um einen Ausflug zu machen. Prominenz nennen wir hier in Hinrichskoog drei Frauen mittleren Alters, die sich für etwas ganz Besonderes halten, mit denen man gefälligst hochdeutsch spricht, weil sie zumindest in ihren jungen Jahren über Hinrichskoog hinaus gekommen sind. Frau Apotheker Wellmann, Frau Dr. Söderhoff und Frau Bürgermeister Speelmakers.

Obwohl sie in direkter Nachbarschaft zueinander wohnen und öffentlich immer gemeinsam erscheinen, kann wohl niemand so genau sagen, ob sie wirklich gute Freundinnen sind. Jedenfalls kamen sie gerade noch pünktlich. Der Bus bog um die Ecke, als sie an der Bushaltestelle ankamen.

Der Bus war voll. Also musste ich mir mit der Prominenz einen Vierersitz teilen.

„Guten Morgen, zusammen“, sagte ich so höflich als möglich, als ich mich zu ihnen setzte. Es war mir sehr unangenehm in ihrer Nähe zu sein, denn ihre Duftwolke benebelte mich. Und sie starrten mich an.

„Was machst du dich denn so früh auf den Weg. Bist wohl unterwegs nach Jensum?“, meinte die Frau Bürgermeister.

Ich nickte nur, leicht benommen von ihrer Duftwolke. Ich hatte bisher nicht daran gedacht, dass sie zumindest schon einen Teil dessen erfahren hatten, was in meiner Familie gestern Abend vorgefallen war. Woher sie das auch immer wissen mochte. Sicher hatten sie sich auch schon auf dem Weg über den Vorfall unterhalten. Es ist klar, dass gerade die Prominenz uns in der nächsten Zeit Ärger machen wird. Die drei mischen in Hinrichskoog überall eifrig mit.

Weil die Frau Bürgermeister sehr laut gesprochen hatte, waren die Leute im Bus aufmerksam geworden. Die Prominenz braucht eben auch immer ihr Publikum. Also musste jetzt ein Wortgefecht sein.

„Was meinst Du, Emma, was Du jetzt in Jensum machen kannst?“, fragte die Frau Apotheker und fügte spitz hinzu: „Die besten Stücke aus der Bude räumen oder was?“

Ich tat als hätte ich die letzte Unverschämtheit gar nicht gehört Und antwortete:
„Was soll ich jetzt in Jensum schon machen können? – Vor allem will ich nach dem Kind sehen.“

„Emma Paulsen, du denkst doch nicht etwa darüber nach, dieses Mörderkind zu dir zu nehmen und damit nach Hinrichskoog zu bringen?“, fragte die Frau Dr. übertrieben entsetzt.

„Genau dat. Ähm, genau das habe ich vor, Gesken in meiner Familie aufzunehmen, wenn es irgend möglich ist.“ „So ein Mörderkind?“, fragte Frau Apotheker im selben Ton wie die Frau Dr.

Jetzt war es höchste Zeit meinerseits eine Spitze zu setzen.
„Was heißt denn Mörderkind? Denkt gefälligst daran, dass Gesken das Kind eines Mörders aber auch das Kind einer Ermordeten ist.“ Ich machte eine Pause und sah wie die Prominenz, die auch durch vornehme Blässe glänzt, noch bleicher wurde, und zwar quer durch die Bank.

Plötzlich schoss mir eine Frage durch den Kopf, und ich schaffte es nicht, sie für mich zu behalten.

„Kann mir irgendjemand sagen, was schlimmer ist, das Kind eines Mörders oder das Kind einer Ermordeten zu sein?“

„Das ist eine Multiplikationsaufgabe fürs Leben“, hörte ich eine tiefe, leicht raue Frauenstimme rechts von mir sagen. Ich sah nach rechts und blickte in das ruhige alte Gesicht von Wencke Holthuus. Sie saß in ihrem Sitz und strickte.

Niemand weiß, woher die Wencke kam. Sie ist so alt wie dieses Jahrhundert und wurde mutterseelenallein im Alter von zwei Jahren in einem Strandkorb gefunden. Die Mutter meiner Lehrherrin, die Schneiderin Wibke Holthuus nahm sich ihrer an.

Wie die Prominenz ist auch Wencke über zumindest für eine gewisse Zeit über Hinrichskoog hinaus gekommen, und zwar zum Lehrerseminar. Inzwischen ist sie im Ruhestand und lebt auf ihrem Hausboot, der Seeadler.

Wencke sah die Prominenz und mich nacheinander an. Dann wiederholte sie, was sie gesagt hatte:
„Das ist eine Multiplikationsaufgabe fürs Leben.“ Dann machte sie eine Pause und fügte hinzu: „Die Aufgabe lautet entweder Mörderkind sein mal Kind einer Ermordeten sein oder Kind einer Ermordeten sein mal Kind eines Mörders sein.“

„Das Ergebnis kommt doch immer auf das Selbe ‚raus“, beeilte sich Frau Apotheker zu sagen.

Als Antwort auf diese Behauptung tat die ehemalige Lehrerin etwas, was sie in ihrer Arbeitszeit wohl nie nötig gehabt hatte, weil sie über natürliche Autorität verfügte. Sie tat schulmeisterlich. Sie nahm ihr Strickzeug in die linke Hand, erhob den rechten Zeigefinger in Frau Apothekers Richtung und erwiderte übertrieben geduldig als ob sie eine unverständige Schülerin vor sich hätte: „Bedenke, dass es sich um eine Aufgabe fürs Leben handelt. Da verändert sich immer etwas. Was es gerade bedeutet, ein Mörderkind zu sein verändert sich. Es verändert sich auch, was es heißt, das Kind einer Ermordeten zu sein. Und es ist nicht gleichgültig, von welchem der beiden Punkte aus, diese Lebensaufgabe gerade angegangen werden muss.“

ich bin mir sicher, dass ich verstanden habe, was Wencke damit sagte. Aber es dauerte seine Zeit, bis ich es begriff und der alten Dame zunicken konnte.

Für die Prominenz war das, was Wencke sagte, zu hoch. Die Frau Bürgermeister lenkte die Unterhaltung in scheinbar seichtere Gewässer.
„Erstochen hat er sie. Das hat mein Friedrich beim Telefonieren erfahren können. Er hat sich nämlich gleich an die strippe gehängt, als er die grüne Minna von unserem Küchenfenster aus gesehen hat. Als Bürgermeister muss er schließlich wissen, was im Dorf vor sich geht. Mit unzähligen Messerstichen hat der Viktor Eisenbeiß seine Frau niedergestreckt.“

„Kann man das verstehen?“, fragte die Frau Dr. und fügte hinzu: „Dabei war er doch so ein netter und erfolgreicher junger Mann. Das haben wir doch bei der Hochzeit gesehen. Was einen Mann wie ihn zu so was treibt?“

„Eifersucht vielleicht?“, fragte die Frau Apotheker und sah mich scharf an. Ich beschloss, nichts zu der Eigen- und der Geltungssucht der beiden Eheleute zu sagen. Die Prominenz würde mich zurechtweisen, dass man über die Toten und alles, was mit ihnen zu tun hat, nicht schlecht spricht. So hätten sie sich mir gegenüber verhalten und sei es auch nur, um das Gespräch in Gang zu halten und am besten auch einen Streit vom Zaun zu brechen.

Für weiteres Gerede fehlte mir ohnehin die Zeit. Denn der Bus fuhr gerade auf den Marktplatz von jensum, wo ich aussteigen musste.

Ich stand auf und sagte: „Bis spätestens Sonntag beim Gottesdienst.“ Auf dem Weg zur Hintertür drehte ich mich noch einmal um und sah wie die drei Damen der Prominenz zueinander hin beugten, um ab jetzt nur noch miteinander zu sprechen.

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05. NaNoWriMo 2021 – Wie eine Glückskatze – Der Vormittag bei den Jensens I.

DER VORMITTAG BEI DEN JENSENS

Ich war heilfroh, aussteigen zu dürfen und von der Prominenz und der Neugier der anderen Fahrgäste wegzukommen. Draußen hielt ich inne, wartete bis der Bus nicht mehr zu sehen und zu hören war, blickte mich auf dem Platz um und ging auf den Gemischtwarenladen zu, der sich gegenüber von der Bushaltestelle befindet.

Das Geschäft war schon geöffnet. Hinter der Verkaufstheke stand eine Frau mittleren Alters, die der Frau Dr. ähnlich sah, mit ihren grauen Augen und dem Aschblonden Haar.

Moin“, sagte ich.
„Guten Tag, gnädige Frau“, erwiderte die Frau übertrieben fröhlich.

Sie musterte mich skeptisch von Kopf bis Fuß. Schließlich huschte ein Ausdruck des Wiedererkennens über ihr Mondgesicht.

„Sie waren doch schon mal hier und haben für die Ähm, die arme ermordete Frau Eisenbeiß eingekauft. Sind Sie nicht Ihre Schwester?“ Ich nickte.

Sie holte tief Luft.
„Das ist wirklich eine schlimme Sache und dann auch noch in der eigenen Familie. Ganz schrecklich. Da wissen Sie sicher gar nicht mehr ein noch aus.“ Und so ging es in einem schleimigen Mitleidston weiter. Sie schien sich in eine Mitleidsblase zu reden, um die Schleim bis zu mir herüber spritzte, Schleim auf dem ich ausrutschen sollte. Aber ich rutschte nicht aus und fiel auf sie herein.

Schließlich musste sie Luft holen. Und ich war Gott sei Dank geistesgegenwärtig genug, zeigte auf eine große Pralinenschachtel und sagte:
„Ich habe noch sehr viel zu erledigen. Wenn Sie bitte so freundlich wären, mir die Pralinen zu verkaufen, dann wäre ich Ihnen sehr verbunden.“

Es dauerte seine Zeit, bis die Frau sich endlich in Bewegung setzte, um die Pralinen aus dem Regal zu nehmen. Die Frau hatte insgesamt etwas Behäbiges an sich von ihrem Mund und dem Teil ihres Verstandes, der für ihre Neugier zuständig war, abgesehen.

Sie warf die Pralinenschachtel auf den Verkaufstresen und sagte schroff: „Das macht dann acht Mark.“

Als ihre Neugier wieder die Oberhand gewann, fragte sie übertrieben freundlich: „Für wen sind die denn?“ „Für die Frau Jensen.“
„Die alte oder die junge?“
„Die alte.“

Mit einer nachdrücklichen Handbewegung legte ich acht Mark in ihre Geldschale. Sie sah mich empört an, als sei es verwerflich oder wenigstens doch unverständlich der alten Frau Jensen Pralinen zu schenken.

So wenig wie mir ihr Mitleid und übertriebene Freundlichkeit Informationen entlockt hatten, so wenig erreichte sie auch mit ihrer Schroffheit.

Ich nahm die Pralinenschachtel, wandte mich um, ging zur Tür, hob noch einmal kurz die Hand, murmelte: „Tschüss dann“ und verließ das Geschäft.

Immer, wenn ich zum Haus von Imke und Viktor gegangen war, war ich auch am Hof der Jensens vorbeigekommen. Der Hof lag am Rande von Jensum allerdings nicht so weit außerhalb wie das große Haus von Viktor und Imke.

Es war ein gutes Stück Weg, das ich gehen musste. Die Morgenluft war frisch, es war recht ruhig, und ich begegnete Gott sei Dank niemandem. So bekam ich den Kopf ganz gut frei.

Ein großer Hund kündigte mein Kommen an. Als ich vor dem Hohen Tor stand, kam die kleine Frau Jensen gerade über den Hof, um mir zu öffnen.

Als sie mich erblickte, hellte sich ihr Gesicht auf. Wir begrüßten uns kurz und gingen ins Haus.

Die alte Frau bot mir einen Kaffee an, den ich dankbar annahm. Ich legte die Pralinen auf den Tisch.

„Dat weer nich nötig wesen“, sagte Frau Jensen lächelte aber. „Dat is nödig, wiel dat wat good is“, erwiderte ich.

Wir setzten uns an den Küchentisch zwei große Tassen mit dampfendem Kaffee vor uns. Es war fast gemütlich. doch das Unheil, das gestern Abend nicht weit von hier entfernt geschehen war und Gesken ergriffen hat, die nicht weit von dieser Küche entfernt war, war fast greifbar bei uns am Tisch. Wir konnten uns nicht entspannen und waren von einer inneren Unruhe ergriffen.

Schließlich begann Frau Jensen zu sprechen. Sie erzählte mir, wie sie gestern, als es schon dunkel gewesen war, von ihrem Hund allarmiert nach draußen gegangen war und Gesken vollkommen erschöpft vor dem Hoftor gefunden hatte.

Sie hatte ihren Mann losgeschickt nach Geskens Eltern zu sehen und der hatte Imke in ihrer Küche liegend tot aufgefunden. Er war zur nächsten Telefonzelle gegangen und hatte die Polizei gerufen.

Frau Jensen hatte Gesken ins Haus getragen, sie behutsam ausgezogen und in eine Decke gepackt auf das Sofa in der guten Stube gelegt. Sie hatte dem Kind schließlich noch einen heißen Kakao eingeflößt.

„Se slöövt. Se is bannig unverwunnt. Dat is aver so, as wenn de Dood se anfaten hätt“, sagte die alte Frau.

Dann erzählte sie mir, dass später die Polizei auch zu ihnen ins Haus gekommen war. Eben war noch einmal die Polizei gekommen und hatte den Besuch einer Dame vom Amt angekündigt. Die würde Gesken mitnehmen oder wenigstens für die ersten Tage klären, wo das Kind bleiben könnte.

Es war also vollkommen richtig gewesen hierher zu kommen.

Die Frau Jensen und ich kamen überein, Gesken vorsichtig zu wecken,, bevor die Amtsperson allein oder mit wem auch immer kommen würde, ins Haus kam.

Nachdem wir unseren Kaffee getrunken hatten, standen wir auch und betraten das Wohnzimmer. Wir blieben eine Armeslänge vom Sofa entfernt stehen und sahen Gesken ruhig an.

Sie hatte sich zusammengerollt und lag merkwürdig ruhig da. Und wie ich sie so daliegen sah, begriff ich, was die alte Frau eben in der Küche gemeint hatte, als sie sagte: „Se slöövt. Aber dat is, as wenn de dood se anfaten hätt.“

Die Ruhe, in der Gesken lag, glich einer Erstarrung, die etwas Totes an sich hatte aber nicht ganz genau wie die Ruhe war, in der Leichen daliegen.

Ich war froh zu sehen, dass Gesken noch atmete und unter unseren Blicken langsam aufwachte. – Aufwachte? – Es war eher als ob sie aus einem kalten stillen Wasser auftauchen müsste. Als sie sich streckte kam es mir so vor als ob sie sich von einem glitschigen Grund abstieß.

Sie schüttelte sich schließlich oder schüttelte es sie? Dann setzte sie sich auf und sah sich ängstlich um.

Die alte Frau Jensen und ich wandten unsere Blicke nicht von ihr ab. Schließlich fand ihr Blick den meinen und erkennen spiegelte sich in ihren Augen.

Ich ging auf sie zu und nahm sie in den Arm.
„Moin, Gesken“, sagte ich und lächelte sie an. Nur ein kurzes Nicken war ihre Antwort.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit verging, bis zur gleichen Zeit in Gesken und mich Bewegung kam. Sie stellte ihre Füße auf den Boden. Und ich löste meine Umarmung.

Wir gingen zusammen ins Bad. Gesken wusch sich selbst. Und sie zog sich auch selbst ihre Kleider an, die Frau Jensen für sie auf einem Hocker bereitgelegt hatte.

Als ich das sah, musste ich an das Gespräch denken, dass ich mit Meta bei ihrem Auszug aus dem Haus meiner Schwester geführt hatte. Damals hatte Meta gesagt: „Gesken is al bannig sülvstännig. Dat mutt ok so wesen. Denn nüms kümmert sik üm ehr.“

Wir gingen in die Küche, wo Frau Jensen bereits wieder am Tisch saß. Artig setzte sich Gesken in die Ecke der Eckbank, wagte aber nicht, sich umzusehen. Sie machte sich so klein als möglich.

„Kiek Di bloot üm“, sagte Frau Jensen freundlich und fügte dann noch hinzu: „Wat wullst du denn eten? – Du magst doch en Broot mit Schien?“

Frau Jensen stand auf, nahm das Brot aus dem Kasten, schnitt eine Scheibe ab, holte die Butterdose, bestrich das Brot mit guter Butter und belegte es mit einer dicken Scheibe Schinken.

Gesken hatte nichts gesagt beobachtete die alte Frau aber aufmerksam. Dass Frau Jensen Gesken häufiger Obst oder Schinkenbrote geschenkt hatte, wusste ich, weil mir Frau Jensen das selbst erzählt hatte, als ich ihr einmal im Geschäft der neugierigen Frau am Dorfplatz begegnet war.

Die alte Frau brachte das Brot auf einem Holzbrett an den Tisch und legte es vor Gesken hin. Dann rührte sie noch einen Kakao für das Mädchen an, den sie in einer großen Tasse ebenfalls vor es hinstellte.

Gesken zögerte. Gehetzt sah sie sich um, bevor sie zu essen und zu trinken begann. Ich fragte mich, was sie bei Imke und Viktor zu essen und zu trinken bekommen hatte. Viel konnte es nicht gewesen sein. Denn sie ist spindeldürr.

Gesken hatte gerade zu ende gefrühstückt und Frau Jensen war dabei, in der Küche klar Schiff zu machen, als der Hund anschlug und einen Augenblick später ein Auto zu hhören war.

Wenig später hielt das Auto vor dem Hoftor und zweimal klappten Autotüren.

Frau Jensen ging, um die Leute einzulassen. Warum kamen die zu zweit? Wer war die zweite Person?

Ich setzte mich neben Gesken und sah sie beruhigend an.

Als Frau Jensen einen Augenblick später mit zwei Frauen die Küche betrat, traf mich fast der Schlag. Die eine kannte ich. Ich hatte sie bei der Hochzeit von Imke und Viktor und bei Geskens Taufe gesehen. Da stand neben einer jungen Frau vom Amt die Schwiegermutter meiner Halbschwester mit ihrem spitzen Mäusegesicht und funkelte mich aus graugrünen Augen an.

Frau Eisenbeiß senior ist eine Frau mit einem massigen Körper, auf dessen kurzem Hals ein kleiner Kopf sitzt, der nicht nur zu klein für den Körper wirkt, dessen Gesicht für diese Frau zu klein und zu spitz wirkt.

Sie war wie bei den beiden Familienfesten, bei denen ich ihr begegnet war auffällig geschminkt und mit teurem Schmuck behängt.

Die Frau vom Amt war eine kleine dralle Blondine. Ich schätzte sie höchstens auf Anfang 20. Auch sie war sehr gut gekleidet und aufwendig geschminkt. So kam ich mir mit meinem einfachen blauen Sommerkleid ärmlich vor.

Frau Jensen bot beiden Frauen einen Platz an. Beide setzten sich auch und begannen erst dann ihre Umgebung aufmerksam zu betrachten. Bei Frau Eisenbeiß senior gesellte sich bald zu der Aufmerksamkeit Geringschätzung in den Gesichtsausdruck.

Bei ihrem Eintreten in die Küche hatten beide Frauen Gesken und mir nur kurz zugenickt. Schließlich meinte die Dame vom Amt: „Ich bin übrigens Frau Söderhoff.“

Ich fragte mich, ob sie mit unserem Arzt aus Hinrichskoog verwandt sein könnte. Aber ich konnte keine Familienähnlichkeit erkennen.

Schließlich sah Frau Söderhoff Gesken sehr aufmerksam und übertrieben freundlich an.

„Und du bist Gesken?“ Gesken nickte und versuchte dem Blick der Frau auszuweichen.

Ich nahm an, dass sie noch nicht lange für das Amt arbeitete und ihr auch noch nie ein Kind begegnet war, dessen Mutter kurz zuvor von seinem Vater ermordet worden war.

Was war zu tunb? Ich beschloss, nicht darauf zu warten, dass Frau Eisenbeiß senior und Frau Söderhoff etwas tun oder sagen würden. Ich ergriff die Initiative, ging freundlich aber bestimmt zum Kampf über.

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06. NaNoWriMo 2021 – Wie eine Glückskatze Fortsetzung von Der Vormittag bei den Jensens

„Wir sollten erst einmal in aller Ruhe miteinander reden“, sagte ich und sah die alte Frau Jensen fragend an.

„Gesken, du magst doch geern en beten mit de Selma spelen?“, fragte die alte Frau.

Sie stand auf, ging zum Kühlschrank und holte einen großen Knochen heraus. Dann ging sie zur Haustür. Dabei sah sie sich zu Gesken um.

Ich stand auf. Für mich sah es so aus als ob die Art der Bewegung und der Blick der alten Frau, Gesken mit sich zog. Gesken stand tatsächlich auf. Dann huschte sie zur Haustür, wo ihr die alte Frau den Knochen für den Hund gab. Das Mädchen ging aus dem Haus und sah sich dabei unsicher um.

Frau Jensen blieb in der Haustür stehen und beobachtete, was Kind und Hund auf dem Hof taten. Sie sah zu, wie Gesken der Selma den Knochen gab und sich dann beide in die Hundehütte zurückzogen.

Offenbar fand Frau Jensen, dass jetzt die Luft rein war. Sie schloss die Haustür wieder und kam zu uns an den Tisch.

„Was wird jetzt mit Gesken geschehen?“, fragte ich an Frau Söderhoff gewendet.
„Jetzt wird erst einmal sorgfältig geprüft, ob sich jemand aus der Verwandtschaft bereit erklärt, das Kind aufzunehmen und ob derjenige oder diejenigen das Mädchen aufnehmen können. Es wird selbstverständlich auch geprüft, ob sie überhaupt familienfähig ist oder einen psychischen Schaden davon getragen hat, so dass sie in eine Anstalt muss.“

Ich wandte mich an Frau Eisenbeiß senior.
„Was machen Sie hier? Wollen sie Gesken vielleicht bei sich aufnehmen?“

Offensichtlich hatte ich sie während ich die Fragen gestellt hatte, zu scharf angesehen. Denn sie versuchte meinem Blick auszuweichen. Das ließ ich nicht zu.

Schließlich antwortete sie:
„Ich wollte mir das Mädchen erst einmal ansehen. Sie gehört schließlich auch zu unserer Familie.“
„Und sie kennen ihre Enkelin noch nicht?“, fragte ich mit fester Stimme und ließ sie nicht aus den Augen.

Durch unseren engen und langen Blickkontakt hatte sie wohl schon gespürt, dass ich meine Entscheidung bereits getroffen hat. Und sie war nicht gewillt kampflos aufzugeben. Das wollte sie aus Prinzip nicht. So eine Familie Eisenbeiß spielte ihrer Meinung nach in einer ganz anderen Liga als so eine Hinterweltlermischpoke wie wir Paulsens.

Ich hielt inne und überlegte, was jetzt zu tun war. Aufgeben war keine Option. Und ich spürte, dass Frau Eisenbeiß senior nur aus Prinzip mit mir kämpfte. Von Gesken hatte sie wohl genug gesehen, um zu der Meinung zu gelangen, dass sie ihr nicht wichtig war.

Ich überlegte vielleicht einen Augenblick zu lange, ob ich sie noch weiter reizen sollte, damit sie vor der Frau Söderhoff und der alten Frau Jensen zeigen würde, wes Geistes Kind sie in dieser Sache war.

So ergriff Frau Eisenbeiß senior das Wort und sagte spöttisch:
„Euch Hexen vom Land fällt für so ein Kind nichts besseres ein, als es vor die Hunde gehen zu lassen.“

Ich musste unwillkürlich grinsen.
„Für manche und manchmal ist es wohl besser vor die Hunde zu gehen als unter Menschen zu sein“, erwiderte ich mit ironischem Unterton in der Stimme und fügte ernsthafter aber auch böser hinzu: „Das hat sich gestern Abend ja wieder einmal deutlich gezeigt.“

Plötzlich wurde die Frau Eisenbeiß leichenblass. Dann lief ihr Kopf ebenso schnell, wie er erbleicht war, puterrot an. Ich war erstaunt darüber, dass eine heftige Bewegung meiner Hand genügte, sie abzuhalten von dem, was sie immer auch vorgehabt haben mochte.

Mich selbst beruhigte meine Handbewegung auch, und ich sagte gelassen und in versöhnlichem Ton:
„Die Selma ist Gesken schon vertraut. Und das ist das Beste, was ihr jetzt passieren kann.“

Dann wandte ich mich an Frau Söderhoff.
„Was muss ich tun, dass ich Gesken wenigstens für die nächste Zeit aufnehmen kann.“

Die junge Frau sah mich überrascht an. Also fuhr ich fort:
„Dafür müssen bestimmt einige Formulare ausgefüllt werden. Haben Sie die dabei?“ Ich zeigte auf die Aktentasche, die neben der jungen Frau auf dem Boden stand.

Endlich bückte sich die junge Beamtin nach ihrer Tasche, stellte sie auf den Tisch, kramte in den Papieren und legte mir schließlich einen Stapel Papier vor die Nase.

„Das ist wirklich nur für vorläufig“, sagte sie mit mahnendem Unterton in der Stimme.
„Und natürlich muss ihr Man auch noch unterschreiben und sich einverstanden erklären. Sie haben doch einen Mann oder nicht?“ „Doch ich habe einen Mann“, erwiderte ich.

„Und dass sie es gleich wissen. Ich muss zu Ihnen kommen und mich davon überzeugen, dass das Mädchen bei Ihnen gut aufgehoben ist. Die Polizei und vielleicht auch ein Psychologe werden auch auf Ihren Hof kommen. Damit alles seine Ordnung hat.“

„Wenn dat bloot dat is“, dachte ich bei mir, aber auch ein Bisschen um mir selbst Mut zuzusprechen.

Nach einer Pause fuhr Frau Söderhoff mit mahnender Stimme fort:
Entschieden werden Vormundschaften vorläufig und vor allem endgültig vor Gericht.“
Ich war mir sicher, dass sie mir wirklich Angst einjagen wollte. Aber so schnell lasse ich mich nicht ins Boxhorn jagen. In meiner Familie bin ich diejenige, die offiziellen Kram und Behördengänge erledigt. Ich bin daran gewöhnt, respektvoll und so sachlich als eben möglich mit Leuten umzugehen.

Frau Söderhoff staunte nicht schlecht, als ich mir die Papiere ruhig und sorgfältig ansah. Es ist kaum zu glauben, aber ihre Augen wurden immer größer, als ich in meine Jacke griff, einen Kugelschreiber herausnahm und offenbar an den richtigen Stellen unterschrieb. jetzt weiß ich gar nicht mehr, wie oft ich eine Unterschrift leisten musste. Denn ich musste mich schon sehr gut konzentrieren.

Als ich die Papiere durchgearbeitet hatte, sah ich erst die Frau Söderhoff und dann die alte Eisenbeiß an. Beide sahen so aus als ob ihnen gleich die Augen aus dem Kopf fallen würden. Hatten die noch nie eine Frau gesehen, die konzentriert und selbstständig offizielle Dokumente bearbeitet.

Es war höchste Zeit bei diesen beiden eine ganz deutliche „Duftmarke“ zu setzen. So meinte ich so beiläufig als möglich:
„Es ist schon erstaunlich. Auch den Umgang mit Behörden kann man lernen. in unserer Familie erledige ich die Schreibarbeiten.“

Die Frau Söderhoff und Frau Eisenbeiß senior reagierten nicht. Also stand ich auf, gab der jungen Beamtin die Papiere zurück, nahm meine Tasche und ging zur Küchentür.

„Wenn ich es richtig gelesen habe, kann ich jetzt Gesken mitnehmen, auch wenn sie erst mal nur vorläufig bei mir bleiben kann“, sagte ich, als ich mich in der Tür stehend noch einmal umgedreht hatte.

Weil kein Widerspruch von Frau Söderhoff kam, ging ich zur Haustür hinaus auf den Hof.

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08. NaNoWriMo 2021 – Wie eine Glückskatze – Gesken ein Zuhause schaffen

GESKEN EIN ZUHAUSE SCHAFFEN

Zuhause angekommen, stieß ich das gusseiserne Tor auf und ging mit Gesken zu Bläss‘ Zwinger. Ich ließ den Hund heraus und wurde von Bläss wie immer stürmisch begrüßt.

Nachdem sich die Freude von Bläss gelegt hatte, fasste ich sie bei ihrem Halsband und zeigte auf Gesken.

„Dat is Gesken. Op ehr musst du nu ok goot acht geven.“ Ich ließ das Halsband wieder los und Bläss beschnupperte Gesken und lehnte sich dann freundlich an sie.

Jetzt ließ Gesken meine Hand los, kraulte Bläss mit beiden Händen die Ohren und endlich sagte sie auch etwas: „Moin, Bläss.“

Nach einiger Zeit schickte ich Bläss wieder in ihren Zwinger, nahm Gesken bei der Hand und führte sie ins Haus.

Im Flur angekommen sagte ich zu Ihr:
„Du drööfst nich alleen ut dem Huus Goon. Anners segght se, dat du weglopen wullt.“ Gesken nickte nur stumm.

Plötzlich schlug Bläss an. Ich ging aus dem Haus und öffnete das Hoftor. Unser Postbote brachte zwei Briefe. Mit den Briefen in der Hand ging ich zurück zum Haus und sah durch die Scheibe im oberen Teil der Tür, was Gesken im Flur machte.

Sie ging im Kreis wie ein Tiger im Käfig. Dabei achtete sie darauf, die Wände nicht zu berühren, bewegte aber die Hände als suchte sie nach Halt.

Unwillkürlich musste ich an die Pferde denken, die ich gesehen hatte, die im Kreis laufend ohne Unterlass mit dem Kopf nickten, vereinsamte Tiere, die schreckliches erlebt hatten, längere Zeit sich vollkommen selbst überlassen gewesen waren.

Als ich Gesken so sah, fielen mir wieder ein, was ihr drohte, wenn ich es nicht schaffte, sie richtig in meine Familie aufzunehmen, wenn sie einen „verrückten“ Eindruck machte.

Mir wurde bewusst, dass ich sie sofort und in der nächsten Zeit niemals sich selbst überlassen durfte. Gesken durfte nie wieder das Gefühl haben müssen, dass sie mutterseelenallein und im Stich gelassen wurde.

Sie war kein Schmusekind. das war mir auf der Fahrt nach Hause klar geworden. Sie hatte mir das höchste Gefühl gezeigt, zu dem sie derzeit fähig war. Sie hatte mir ihre Hand gegeben. Sie hatte sich damit meiner Führung anvertraut. und wie ich so still vor der Haustür stand, gab ich ihr dafür, dass sie mir ohne wenn und aber ihre Hand gegeben hatte, sich damit auch in meine Hand gegeben hatte, still mein Wort. Ich gab ihr mein Wort darauf, dass ich ihr Vertrauen ab sofort niemals ausnutzen und enttäuschen würde.

Ich betrat das Haus und legte die Briefe auf den Schuhschrank rechts neben der Haustür. Mir fiel ein, was Gesken und ich als Nächstes tun könnten.

Die Frau Martinsen hat mir in der vergangenen Woche Kleidung gegeben, die ihrer Tochter nicht mehr passt. Ich hatte ihr nämlich erzählt, dass das Kind meiner Schwester in viel zu kurzen Kleidern herum lief. Zwar hatte ich mich nicht getraut, Imke anzuzeigen. Aber ich hatte vorgehabt, das abgetragene Zeug, das auf dem Regal in dem schmalen Zimmer, das Gesken bewohnt hatte, lag, gegen die Kleidung von Merle Martinsen auszutauschen. Eine Anprobe war meine erste Idee. Dann fiel mir ein, dass das kleine Zimmer neben unserem Schlafzimmer Geskens Reich werden könnte, und dass wir es jetzt einrichten könnten. Hein war auf dem Feld. Und Malte und Thorsten trieben sich mit anderen Jungen sicherlich am Strand herum. Also blieb uns genug Zeit für die Anprobe und das Einrichten.

„Gesken, dann kaam mal mit“, sagte ich und ging voraus in den ersten stock.

Ich öffnete di Tür zu dem kleinen Zimmer, das bis heute unbewohnt war, wo am Fußende des Bettes die große Kiste mit der Kleidung stand. Gewaschen hatte ich die Sachen schon, denn ich hatte sie beim nächsten Besuch in Jensum mitnehmen wollen.

Ich hob den Deckel von dem Karton und sagte:
„Du drööfst dat allens anproberen.“

Bisher war es mir noch nicht aufgefallen, dass alles, was ein Mädchen so braucht, da war, sogar Unterwäsche und zwei Schlafanzüge, einer mit einer grünen Hose und hellem Oberteil, auf dem Eulen aufgedruckt waren. Der zweite war rot mit silbernen Sternen auf dem Oberteil.

Gesken fing mit der Anprobe an. Schon beim ersten Teil, einem dünnen Pullover zeigte sich, dass ihr die Sachen von der Länge her gut passten, Gesken aber zu dünn war für die Kleidung.

Sie sah mich an, als habe sie mich enttäuscht.

„Dat maakt nix. Dat kann ik ümneihen.“

Der Kleiderstapel auf dem Bett wuchs rasch an. Gesken kann sich schon sehr gut selbst umziehen.

„Söök di ut, wo de Saken hin Schuult“, sagte ich. Dabei, eine sinnvolle und praktische Ordnung zu finden, musste ich ihr doch etwas helfen. Jedes Mal, wenn sie ein Kleidungsstück in die Hand nahm, sah sie mich fragend an.

Als sie alle Sachen anprobiert und eingeräumt hatte, bückte ich mich zum Bettkasten, zog ihn auf, nahm die Gästebettwäsche und die Bezüge heraus und bezog das Bett.

Ein paar Sachen, die ich gleich heute Abend ändern wollte, nahm ich wieder aus dem Schrank und sagte:
„Dat is wohl beter, wenn wi wedder dalgahn.“

Wir gingen in die Küche hinunter, und ich sah auf die Uhr über dem Spülbecken. Es war an der Zeit, das Mittagessen zu machen. Von Gesken gefolgt ging ich in die Speisekammer und sah mich um. Ich fand, dass heute ein guter Tag für Speckpfannekuchen war und suchte alles zusammen, was ich dafür brauchte und ging mit den Lebensmitteln zurück zum Küchentisch.

Plötzlich ging die Tür auf und Hein kam in die Küche, um ein Glas Wasser zu trinken.

Als er Gesken sah, streckte er ihr die Hand entgegen und sagte lächelnd: „Moin, ik bün d Hein.“

Gesken sah mich fragend an. Ich nickte ihr aufmunternd zu. Und sie reichte ihm tatsächlich die Hand und erwiderte schüchtern seinen Gruß.

„Wat gifft et denn vondaag to eten?“, fragte Hein.
„Gesken un ik maakt Speckpannkoken.“
Dat is fien“, meinte Hein und holte sich ein Glas, das er mit Wasser füllte.

Hein erzählte mir, dass er Thorsten und Malte gesagt hatte, dass Gesken zumindest für einige Zeit zu uns kommen würde. Thorsten, der noch in diesem Sommer in die Schule kommen wird, hatte wohl getobt: „Wat schöölt wi mit en Deern? Deerns sünd doof.“
Auf die Frage, wie viele Mädchen er denn kennt. Hatte er keine Antwort gegeben oder geben können. Hein und ich, wir waren uns, als mein Mann davon erzählte, sicher, dass wir unseren jüngeren Sohn noch nie in der Gesellschaft eines oder mehrerer Mädchen gesehen hatten. Er gab sich noch nicht mal mit Wibke, der Tochter von Frau Martinsen ab, obwohl die wie ein Junge ist.

Von Hein erfuhr ich, dass Malte befürchtete, dass eine „Prinzessin auf der Erbse“ bestimmt zu uns kommen würde. Aber, als Hein ihm versichert hatte, dass das überhaupt nicht so sei, meinte er: „Denn tööv ik mal, wo de so is.“

Hein hatte den Jungen erlaubt, den Tag über bei seinem Cousin auf dem Boot bleiben zu dürfen. Sie wollten mit ihm Fritten essen und das Angelzeug flicken.

Hein ging noch einmal für ein paar Minuten nach draußen, während Gesken und ich den Teig für die Speckpfannekuchen anrührten. Ich zeigte ihr, wie sie ein Ei aufschlagen muss. Und es zeigte sich, dass sie eine gute Beobachterin ist, und dass sie ein praktischer Mensch ist. Als ich sie das zweite Ei aufschlagen ließ, ging nichts neben die Schüssel und nicht einmal ein ganz kleines Stück Schale fiel in den Teig.

Während ich den Speck in dicke Scheiben schnitt, verteilte Gesken die Teller, die Gläser und das Besteck, das ich für sie bereit gelegt hatte, auf dem Tisch.

Ich zeigte auf den Platz, auf dem sie von nun an beim Essen sitzen würde und begann den ersten Pfannekuchen für sie zu backen.

Als ihr Pfannekuchen fertig war, schnitt ich ihn in kleine Stücke, die sie mit der Gabel aufstechen konnte. Ich hatte sie die ganze Zeit beobachtet und war mir sicher, dass sie noch nie Speckpfannekuchen gegessen hatte. Sie hatte mir die ganze Zeit ehrfürchtig bei den Vorbereitungen zugesehen und ihren Teil der Arbeit geradezu andächtig getan.

Imke kochte nicht selbst. Ich befürchtete, dass Gesken immer nur das zu essen bekommen hatte, was bei den Erwachsenen abgefallen war.

Viel konnte das nicht gewesen sein, so abgemagert wie sie ist. Etwas in der Art ging wohl auch Hein durch den Kopf, als er ins Haus zurückgekommen war und in der Küchentür stehen blieb. Er hielt inne und sah, wie Gesken vorsichtig ein Stück Pfannekuchen nach dem anderen auf die Gabel spießte und aß. Sie stopfte das Essen nicht hastig in sich hinein. Aber sie sah sich immer wieder vorsichtig und ängstlich um als ob sie damit rechnete, dass jemand plötzlich kommen und ihr die Mahlzeit streitig machen könnte.

Schließlich bemerkte sie, dass Hein sie besorgt beobachtete. Besorgte Blicke schien sie nicht zu kennen. Denn sie sah ihn ängstlich fragend an und dann blickte sie zu mir herüber. Ich war gerade dabei, den Pfannekuchen für Hein auf den Teller zu legen.

Er nahm mir den Teller ab, setzte sich Gesken gegenüber an den Tisch und sagte, als er das erste Stück von seinem Speckpfannekuchen abschnitt:
„Es is noog för all dar. Un de Hööftstadt is, dat dat smeckt“, sagte Hein zu Gesken. Aber es gelang ihm nicht, ihre Sorge um ihr Essen vollends zu zerstreuen. Sie sah immer noch sehr vorsichtig aus.

Bei uns ist es üblich, in Ruhe zu essen. Wenn man es richtig macht, ist dazu meist Zeit genug.

„Wullst du en Middagsslaap hollen“, fragte ich Gesken, als wir zu ende gegessen hatten. Sie sah mich fragend an. Sie schien Mittagsschlaf nicht zu kennen.

„Ik maak de Ställe rein“, sagte ich zu Hein.
„Un wi gaht na n Schaap, wat Gesken?“, meinte Hein zu Gesken. Und er fuhr an mich gewandt fort: „Ik pass good op ehr Op.“

Es war eine gute Idee, dass er sie mit nach draußen nahm. Sie sollte nicht allein sein. Aber sie sollte auch nicht nur in der Stube hocken. Es war an der Zeit, dass Gesken viel von unserer Umgebung kennenlernen sollte. Und auf den Hein kann ich mich verlassen, was alles angeht, was die Kinder betrifft.

Ich ging in den Flur und öffnete den Schuhschrank. Und ich hatte es richtig in Erinnerung gehabt. Im unteren Fach gan z weit hinten stand noch ein schönes Paar Gummistiefel. Sie waren noch ganz und passten Gesken. Ich weiß gar nicht mehr, woher wir diese guten Stiefel hatten, vielleicht auch von Frau Martinsen?

Gesken zog wie geheißen die Stiefel an und ging hinter Hein aus dem Haus. Noch nicht einmal eine Minute später hörte ich, wie Bläss‘ Zwinger geöffnet wurde und die Hündin bellend über den Hof rannte. Dann wurde es ruhig. Hein, Gesken und Bläss waren auf dem Weg zu der Schafweide. Die Tiere sollten auf einen anderen Weideplatz gebracht werden. Eine Hütehündin ist die Bläss zwar eigentlich nicht. Aber sie hilft Hein zuverlässig dabei, die Tiere von einem Platz zum nächsten zu treiben. Und nie ist eins verloren gegangen.

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09. NaNoWriMo 2021 – Mütter und Töchter

MÜTTER UND TÖCHTER

Ich mistete den Schweine- und den Hühnerstall aus. Dann ging ich ins Haus zurück, um eine Kaffeepause zu machen. Gerade hatte ich den ersten Schwall kochenden Wassers in den Handfilter gegoßen, als ich ein Auto näher kommen hörte. Es hielt vor unserem Hof.

Dann hörte ich Geschrei: „Emma, komm und hilf mir mal gefälligst.“

Ich ging auf den Hof, wo der Taxifahrer den großen Koffer meiner Mutter abgestellt hatte. Ich packte ihn und trug ihn in ihr Zimmer.

Dann ging ich in die Küche und goss weiter den Nachmittagskaffee auf. Von diesem Duft angelockt kam meine Mutter in die Küche.

Erst, als ich mit dem Kaffeekochen fertig war, drehte ich mich zu ihr um. Sie saß auf ihrem Platz und rührte sich nicht.

„Moin, Moder“, sagte ich, nach dem ich das Geschirr und den Kaffee aufgetragen hatte.

„Das heißt, guten Tag, Mutter“, kam die Antwort. Auch sie vermeidet es, plattdeutsch zu reden. Sie möchte gern zur Prominenz gehören. Aber mit der Sprache allein ist es ihr bislang nicht gelungen, in die Prominenz aufgenommen zu werden. Sie ist dem Trio bestenfalls ein Bisschen näher gekommen.

Und wer ist daran schuld? – Ich natürlich. Ich, die Tochter aus der ersten, der falschen, Ehe meiner Mutter bin an allem schuld, was in ihrem Leben seit meiner Geburt falsch läuft. Das ist doch ganz klar und einfach.

Wenn sie es denn so wollte, dann musste die folgende Unterredung eben in hochdeutsch geführt werden. Ich machte ein ernstes Gesicht, als ich den Kaffee ausschenkte.

„Wo ist die Milch?“ Ich stand auf und holte die Milch aus dem Kühlschrank und goss einen großen Schluck davon in ihre Tasse. Sie sah mir mit misstrauischem Blick zu.

„Trinken kannst du aber noch selbst oder?“ sie hielt es für nicht nötig, mir eine Antwort zu geben. Sie trank einen schluck, sah mich dann immer noch mit misstrauischem Ausdruck an und fragte: „Was ist hier los.“

Mit ruhiger Stimme, festem Blick und in aufrechter Haltung erzählte ich meiner Mutter, was seit gestern Abend geschehen war. Meine Mutter ist der Meinung, dass ich nichts zu sagen habe. Und damit das auch stimmt unterbricht sie mich normalerweise ständig. Heute Nachmittag unterbrach sie mich nicht ein einziges Mal. Die Ruhe in meinen Worten, die Aufrichtigkeit und mein fester Wille hielten sie diesmal wohl davon ab.

Als dann alles gesagt war, entstand eine tiefe Stille, die so stark und tief war, dass selbst das schwere Ticken der Küchenuhr sie nicht durchdringen konnte. Ich hielt meinen Blick auf meine Mutter gerichtet. Ihre Haltung und der Blick aus ihrem grauen und ihrem grünen Auge waren zunächst auch vollkommen ruhig. Auf mich wirkte sie als ob das, was ich gesagt hatte und was geschehen war, langsam in alle Bereiche ihres Selbst einsank. Ich erwartete, meine stolze und mir gegenüber immer beherrschte Mutter zum ersten Mal in unserem gemeinsamen Leben tief traurig zu sehen.

Aber natürlich kam es ganz anders. Denn plötzlich schossen ihr Tränen in die Augen. Was folgte war ein kurzer und heftiger Weinkrampf, der sie heftig schüttelte. Aber so plötzlich wie er über sie gekommen war, war er auch wieder vorbei. Sie hatte eben nicht vergessen, wem sie gegenüber saß, und dass sie sich sicher war, dass ich es nicht verdiente, ihre wahren Gefühle zu erleben. Und sie vergaß ihre Grundregel auch nicht, dass ich an all ihren Problemen schuld bin.

Denn schließlich holte sie ihr Spitzentaschentuch heraus, schneutzte sich, wischte sich über die Augen und dann funkelte sie mich wie so oft mit vorwurfsvollem Blick an.

Aber diesmal schaffte ich es, vollkommen ruhig zu bleiben.
„Ich habe sie nicht erstochen.“
„Aber, das kann nicht sein. Der Viktor ist doch so ein netter und erfolgreicher junger Mann.“ „Ja, erfolgreich
war er schon. Und jung ist er noch. Aber nett?“
„Nur, weil er sich mit euch Bauernpack nicht abgeben will, heißt das noch lange nicht, dass er kein netter Kerl ist.“
„Ich brauchte das nie, dass er sich mit mir abgeben will. Aber der war nicht nett. Er war genauso geltungs- und eigensüchtig wie die Imke. Sie konnten nicht miteinander aber wohl auch nicht ohneeinander leben. Und das kann man gut erkennen. Sie haben ihrem Kind keine Beachtung geschenkt. Und sie haben es hungern und verwahrlosen lassen. Vielleicht wäre Gesken nicht mehr am Leben, wenn da nicht Viktors Großtante die Meta gewesen wäre.“

„Und ausgerechnet du glaubst, das wieder gut machen zu können, indem du das Mörderkind aufnimmst?“
„Ich werde nicht alles wider gut machen können. Aber ich werde so gut als möglich für sie sorgen.“
„Ja, eine feine Mutter bist du. Lädst dir ein Mörderkind als Aufgabe auf, eine Aufgabe, an der so was wie du auf jeden Fall scheitern muss. Damit versündigst du dich an deinen eigenen Kindern. Du stellst sie zurück. Du wirst dich ja nicht mehr ordentlich um deine Jungen kümmern können. Und das machst du nur, um noch ein weiteres Kind zu haben. Und das machst du, um mich zu blamieren, dich an mir zu rächen. Du willst bloß zeigen, das du besser bist als ich. Aber, das wird dir nicht gelingen.“

Plötzlich erklang von der Tür her eine tiefe Frauenstimme. Wencke Holthuus unterbrach die Predigt meiner Mutter.

„Red doch nicht immer so einen Blödsinn“, sagte sie schroff und kam an den Küchentisch. Ich holte noch eine große Kaffeetasse und stellte sie vor Wencke hin.

Wencke goss sich Kaffee ein. Dabei ließ sie meine Mutter nicht aus den Augen.
„Im Herzen einer guten Mutter ist immer ganz viel Platz für viele Kinder und ihre Tatkraft reicht für jedes Kind.“

Eine Sache stimmt. ich hätte gern noch weitere Kinder bekommen. Aber alles andere bildete sich meine Mutter nur ein. Nur ganz am Anfang, nachdem ich erfahren hatte, dass Imke erstochen worden war, hatte ich überhaupt an meine Mutter gedacht.

Nein, es stimmt nicht, dass ich mich an ihr dafür rächen will, dass sie mir keine gute Mutter war und ist. Rache an ihr ist eine Rache, die unmöglich ist. Den Stachel mit all seinen Widerhaken, den sie mir gesetzt hat, kann durch keine Rache gezogen und durch nichts befriedet werden. Das weiß ich schon lange.

„Sie kann dieses Mörderkind aber nicht aufnehmen. So was passt nicht in eine normale Familie.“
„Denk daran, Gesken ist nicht nur das Kind eines Mörders. Sie ist auch das Kind einer Ermordeten Frau. Sie ist das Kind deiner geliebten Tochter Imke.“

Nachdem Wencke Holthuus das gesagt hatte, wurde es am und um den Küchentisch herum ganz still. Aber diese Stille breitete sich nicht in der ganzen Küche aus. Sie konzentrierte sich auf und um uns.

Es war Wencke Holthuus, die die Spannung dieser Stille mit einem schnellen und scharfen Blick, den sie meiner Mutter entgegen schleuderte durchbrach.

Längere Zeit wurde nichts gesagt. Ein Kampf mit Blicken war entfacht. Zunächst sah es so aus als ob meine Mutter die stärkere Kämpferin sei. Zorn, Bosheit und Machtgier wechselten sich in schneller Folge im Ausdruck ihres Gesichts ab.

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, erinnert mich meine Mutter in dieser Situation an ein bockiges Kleinkind, das wütend gegen eine Tür tritt, die es nicht aufmachen darf und kann. So eine Gelassenheit wie die, die von Wencke Holthuus ausging, habe ich noch nie erlebt.

Schließlich gelang es meiner Mutter, sich von Wencke Holthuus‘ blick loszureißen und sich mir wieder vollends zuzuwenden.

Sie funkelte mich böse an.
„Was bildest du dir eigentlich ein? Du bist eine Versagerin. Und du wirst immer eine Versagerin bleiben. Du sitzt hier auf diesem Bauernhof fest und bildest dir, wer weiß was ein, was du kannst, hast und bist. Was bist du für eine Mutter, dass du deinen Söhnen so ein Mörderkind zumutest?“

„Was bist du für eine Mutter, dass du eines deiner Kinder nur wegen eines Mannes vernachlässigt hast?“, fragte Wencke.

„Du hältst besser ganz dein Maul. Von dir weiß keiner, aus was für einem Stall du gekrochen bist. Und du hast, wenn ich mich recht entsinne nie ein Kind geboren“, schrie meine Mutter mit sich überschlagender Stimme.

Wencke wurde plötzlich ganz ruhig, noch ruhiger als sie zuvor schon gewesen war. Wie oft hatte sie sich solche Dinge an den Kopf werfen lassen müssen?
Sollte es tatsächlich so sein, dass sich auch derart boshafte Vorwürfe im Lauf der Zeit abnutzen? Dann bestand ja wenigstens noch Hoffnung auf Besserung. Dann stimmt es vielleicht doch zumindest manchmal und ein bisschen, dass die Zeit Wunden heilt.

„Mich hatte eine gute Mutter aufgenommen, eine Frau, die alleinstehend schon ein eigenes Kind hatte. Sie hat für uns gut gesorgt. Und jede von uns bekam das von ihr, was sie brauchte. Und mein Jan und ich waren zwei Pflegekindern gute Eltern, obwohl der Jan versehrt war, und ich als Lehrerin Arbeiten musste.“

„Pah, und was ist aus deinen Pflegekindern schon groß geworden? Die eine hast du schon überlebt. Und was ist mit der anderen?“

„Sie wohnt in Dänemark mit ihrem Mann und ihren drei Kindern. Sie ist Bildhauerin von Beruf.“ „Und liegt damit sicherlich ihrem Mann auf der Tasche.“
„Das tut sie nicht. Warum sollte sie auch?“

Meine Mutter musste Munition für das Wortgefecht nachlegen. Also hatte Wencke die Chance zum Angriff überzugehen, und sie nutzte sie schamlos aus.

„Man soll nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt“, begann Wencke und fuhr fort:
„Eine deiner ach so wunderbaren Töchter aus deiner hervorragenden zweiten Ehe wurde gestern Abend erstochen. Beide, Imke und Viktor sind unendlich eigen- und geltungssüchtige Menschen gewesen. Was dachtest du, wie lange das gut gehen kann?“
„Die Imke kanntest du nur kaum und den Viktor wohl gar nicht“, wandte meine Mutter mit nicht mehr ganz so starker Stimme als zuvor ein.
„Ich kenne die Familie Eisenbeiß, zumindest diejenigen, die hier im Norden leben. Und die Imke hat ja genau wie Emma bei meiner älteren Schwester eine Schneiderlehre gemacht, zumindest angefangen. Zu der Zeit bin ich im Haus meiner Schwester ein- und ausgegangen und durfte mir ihre Ausreden, wenn was nicht so ging, wie sie es wollte und mir ihre Großmäuligkeit anhören. Es war klar, dass der Viktor und die Imke nicht miteinander aber auch nicht ohneeinander konnten.“

„Sie waren ein so schönes Paar“, jammerte meine Mutter.
„Wenn ein Teller nur schön ist, nützt das nichts. Es muss auch was Ordentliches drauf sein. Offenbar war nichts Ordentliches drauf, schon gar nicht für Gesken. Und dann ist das gute Stück gestern Abend auch noch zerbrochen worden.“

Wenckes Stimme klang resigniert, als sie das sagte. Dann fuhr sie nachdenklich fort:
„Wahrscheinlich wollte sie ihn verlassen. Und er war der Meinung, dass man einen Viktor Eisenbeiß nicht verlässt. Sie hatte ihm das wohl schon häufiger angedroht. Aber diesmal wurde ihm klar, dass sie es ernst meint. Ob es Bestand gehabt hätte, sei dahin gestellt.“
In der Pause, die Wencke nach diesen Worten machte, wuchs aus der Stille, die durch ihr Schweigen entstand, eine bislang noch unbekannte Schlingpflanze aus Resignation. Die Zweige dieses Gewächses versuchten von Wencke, von der sie kam, auf meine Mutter und mich überzugreifen.

Dass wir von der Stille und diesem Gewächs erdrückt oder erwürgt wurden, ließ Wencke nicht zu. Und sie fing wieder anzusprechen: „An ihr Kind hat sie dabei nicht gedacht. Aber Emma denkt an Gesken.“
Mutter wollte widersprechen aber Wencke machte eine heftige Handbewegung, die sie verstummen ließ.

Wencke nahm Mutter fest in den Blick. „Das einzige, was du noch einwenden kannst, ist, dass es nicht dasselbe ist, ein Kind zu bekommen oder eines, wie man früher sagte, an Kindesstatt anzunehmen. Dazu ist nur zusagen, dass das stimmt, dass es aber auch richtig so ist. Ein Kind, ein verschrecktes und ungewolltes Kind aufzunehmen, ist eine andere Aufgabe als ein leibliches Kind aufzuziehen. Und noch eine andere Aufgabe ist es, eigene Kinder und aufgenommene Kinder gemeinsam zu versorgen. Dazu hat sich deine Tochter Emma entschieden. Und sie wird ihre Sache für die Kinder gut machen. Davon bin ich überzeugt. Davon bin ich überzeugt, weil bei der Emma Kopf, Herz und Hand immer gut zusammenarbeiten. Und da ist auch noch der Hein. Der kann das auch.“

Meine Mutter hat ein Talent Menschen zu ignorieren, das seines Gleichen sucht. Manchmal wünsche ich mir, dieses Talent wenigstens ihr gegenüber zu entwickeln.

Mutter hatte sich immerhin in diesen Streit so weit eingerichtet, dass sie Wencke ignorierte.

Sie war plötzlich ganz bei sich und mir und konzentrierte sich einen Augenblick. Dann fing sie an, hysterisch auf mich einzureden.

„Hast du nur einen Augenblick an deine arme Schwester gedacht, die jetzt tot ist, sich nicht mehr gegen den Blödsinn, den du machst, wehren kann. Sie würde das Kind nach alledem nicht mehr in der Familie haben wollen, dass jeder immer an ihren abscheulichen Tod erinnert wird, weil dieses Kind alles gesehen hat, kaputt ist und verrückt.“

Schließlich musste sie tief Luft holen.
„Imke hat immer nur betont, dass wir bloß Halbschwestern waren. Und sie, meine Halbschwester, ist tot aber Gesken lebt. Sie soll endlich richtig leben können. Ich möchte ihre Mutter sein.“

Du kannst nicht ihre Mutter sein“, schrie meine Mutter mich an.

Plötzlich nahm ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung bei der Küchentür wahr und sprang auf. „Du kannst nicht ihre Mutter sein. Das schaffst du einfach nicht.“

Ich bewegte mich auf die Küchentür zu und fühlte eine feste Umarmung. Dann hörte ich: „Mama Emma.“

Mir traten Tränen in die Augen, und ich erwiderte die Umarmung.

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So kann das mit den 50000 Worten nichts werden. Aber eine gute Grundlage ist es allemal. ZWEI JUNGEN UND EIN MÄDCHEN

Der Moment, in dem ich Geskens Umarmung erwiderte, war wahrscheinlich der Augenblick, in dem ich mit jeder Phase meines Seins Begriff und spürte, dass ich auch Geskens Mutter werden konnte und sollte. Wenn ich jetzt diesem Augenblick nachspüre, erinnere ich mich an ihn als an eine kurze Zeit, in der ich sicher und geborgen war, wie ich es als Kind hätte sein sollen. Dabei war ich es, die ab sofort Sicherheit und Geborgenheit zu geben hatte, und zwar in einer Art wie nie zuvor für meine leiblichen Kinder als auch für Gesken und Hein.

Der Hein stand da, sah unseren nahen Moment und lächelte. Aber er war noch nicht so weit uns beide in die Arme zu schließen.

Zum ersten Mal seit ich meine Mutter kenne, fehlten ihr die Worte für eine längere Zeit. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, hielt sie tatsächlich für den Rest des Abends ihren Mund.

Obwohl sie nichts mehr sagte und auch auch ansonsten nicht eingriff, war sie an allem beteiligt, das geschah. Mit einer Art aufdringlicher Aufmerksamkeit versuchte sie sich einzumischen, an allem zu kleben.

Wencke war kurz nach mir aufgestanden. Sie verabschiedete sich freundlich aber kurz, blieb an der Küchentür noch einmal stehen und lächelte Gesken, mich und auch Hein an.

Ich sah auf die Uhr. Es war Zeit zum Melken.
„Dann werden wir jetzt mal die Tiere versorgen“, sagte ich, damit meine Mutter nicht auf die Idee kam, mich dazu aufzufordern ihren Koffer auszupacken.

Ich sah Gesken an und meinte:
„kaam mit. Wi mööt de Keeh melken.“

wir fuhren mit dem Träcker und der Melkmaschine zur Kuhweide. Während der Hein und ich die Tiere molken, beobachtete Gesken jeden Handgriff, den wir taten, genau. Es wird sicherlich nicht lange dauern, bis sie uns tatkräftig helfen wird.

Wieder auf dem Hof angekommen, füllten wir die Milch um. Einige Nachbarn kamen wie jeden Abend mit ihren Milchkannen, um frische Milch zu kaufen. Während ich den Verkauf übernahm, gingen Gesken und Hein, um Schweine und Hühner zu versorgen.

Es war viertel nach sieben, als ich wider ins Haus zurück kam. Pünktlich kamen Malte und Thorsten nach Hause. Und tatsächlich hatte Malte Fisch für unser Abendessen mitgebracht.

Ich nahm den Fisch aus und briet ihn. Dazu gab es dunkles Brot.

Thorsten starrte Gesken zunächst lange an. Enttäuscht wandte er erst mir und dann meiner Mutter das gesicht zu.

„Die sieht ja ganz normal aus.“

Bevor meine Mutter, die Thorsten vergötteert, weil er so ein niedliches Kerlchen mit blonden Haaren und blauen Augen ist, etwas dazu sagen konnte, meinte Malte: „Gesken sieht aus wie du, Mama.“

Als ich Brot und Fisch verteilte, sah Thorsten mir misstrauisch auf die Finger, damit Gesken nicht zu viel bekommen und er nicht zu kurz kommen sollte.

Der Thorsten ist ein Bisschen faul. Ich gehe jede Wette ein, dass es nicht lange dauern wird, bis er begreift, dass Gesken fleißig ist und für ihn deshalb nützlich ist. Es gilt also aufzupassen.

Nach dem Abendessen spielten Malte und Thorsten noch etwas mit ihren Legosteinen. Ich ging mit Gesken ins Badezimmer, damit sie sich fertig machen konnte. Wie bereits erwhänt, ist sie sehr selbstständig, was sicher der Tatsache zu verdanken ist, dass Meta längere Zeit für sie gesorgt hat.

Als sie fertig umgezogen war, rief ich den Jungen zu, dass sie sich bettfertig machen sollten. Mit Gesken ging ich in ihr Zimmer und legte sie ins Bett.

Als die Jungen fertig waren, öffnete ich die Durchgangstür zwischen den beiden Kinderzimmern, holte das Märchenbuch und las ihnen die Geschichte vom dicken fetten Pfannekuchen vor.

Danach machte ich die Tür wieder zu. Die Jungen durften sich noch etwas unterhalten.

„Gesken, wat weer vondaag schöön för di?“
Als ich sie das fragte, leuchteten ihre Augen.
„Du, de Schaap un de Keih. Un de Speckpannkoken weern lecker.“ „Dann bedank die för allens bie Gott un dien Engel.“
„Hartlick Dank för Mama Emma, de Schaap, de Keih, de Hunnen un de Speckpannkoken, lever Gott un goden Schutzengel.“

Bevor sie sich bedankt hatte, hatte sie das Kreuzzeichen gemacht und die Hände gefaltet. Dann betete ich für sie, abends, wenn ich schlafen geh. Dann gab ich ihr noch einen Kuss und deckte sie gut zu.

Malte und Thorsten kennen das Abendritual natürlich. Denn mit jedem von ihnen mache ich es jeden Abend ganz genau so.