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10. NaNoWriMo 2021 – Wie eine Glückskatze – Zwei Jungen und ein Mädchen

So kann das mit den 50000 Worten nichts werden. Aber eine gute Grundlage ist es allemal. ZWEI JUNGEN UND EIN MÄDCHEN

Der Moment, in dem ich Geskens Umarmung erwiderte, war wahrscheinlich der Augenblick, in dem ich mit jeder Phase meines Seins Begriff und spürte, dass ich auch Geskens Mutter werden konnte und sollte. Wenn ich jetzt diesem Augenblick nachspüre, erinnere ich mich an ihn als an eine kurze Zeit, in der ich sicher und geborgen war, wie ich es als Kind hätte sein sollen. Dabei war ich es, die ab sofort Sicherheit und Geborgenheit zu geben hatte, und zwar in einer Art wie nie zuvor für meine leiblichen Kinder als auch für Gesken und Hein.

Der Hein stand da, sah unseren nahen Moment und lächelte. Aber er war noch nicht so weit uns beide in die Arme zu schließen.

Zum ersten Mal seit ich meine Mutter kenne, fehlten ihr die Worte für eine längere Zeit. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, hielt sie tatsächlich für den Rest des Abends ihren Mund.

Obwohl sie nichts mehr sagte und auch auch ansonsten nicht eingriff, war sie an allem beteiligt, das geschah. Mit einer Art aufdringlicher Aufmerksamkeit versuchte sie sich einzumischen, an allem zu kleben.

Wencke war kurz nach mir aufgestanden. Sie verabschiedete sich freundlich aber kurz, blieb an der Küchentür noch einmal stehen und lächelte Gesken, mich und auch Hein an.

Ich sah auf die Uhr. Es war Zeit zum Melken.
„Dann werden wir jetzt mal die Tiere versorgen“, sagte ich, damit meine Mutter nicht auf die Idee kam, mich dazu aufzufordern ihren Koffer auszupacken.

Ich sah Gesken an und meinte:
„kaam mit. Wi mööt de Keeh melken.“

wir fuhren mit dem Träcker und der Melkmaschine zur Kuhweide. Während der Hein und ich die Tiere molken, beobachtete Gesken jeden Handgriff, den wir taten, genau. Es wird sicherlich nicht lange dauern, bis sie uns tatkräftig helfen wird.

Wieder auf dem Hof angekommen, füllten wir die Milch um. Einige Nachbarn kamen wie jeden Abend mit ihren Milchkannen, um frische Milch zu kaufen. Während ich den Verkauf übernahm, gingen Gesken und Hein, um Schweine und Hühner zu versorgen.

Es war viertel nach sieben, als ich wider ins Haus zurück kam. Pünktlich kamen Malte und Thorsten nach Hause. Und tatsächlich hatte Malte Fisch für unser Abendessen mitgebracht.

Ich nahm den Fisch aus und briet ihn. Dazu gab es dunkles Brot.

Thorsten starrte Gesken zunächst lange an. Enttäuscht wandte er erst mir und dann meiner Mutter das gesicht zu.

„Die sieht ja ganz normal aus.“

Bevor meine Mutter, die Thorsten vergötteert, weil er so ein niedliches Kerlchen mit blonden Haaren und blauen Augen ist, etwas dazu sagen konnte, meinte Malte: „Gesken sieht aus wie du, Mama.“

Als ich Brot und Fisch verteilte, sah Thorsten mir misstrauisch auf die Finger, damit Gesken nicht zu viel bekommen und er nicht zu kurz kommen sollte.

Der Thorsten ist ein Bisschen faul. Ich gehe jede Wette ein, dass es nicht lange dauern wird, bis er begreift, dass Gesken fleißig ist und für ihn deshalb nützlich ist. Es gilt also aufzupassen.

Nach dem Abendessen spielten Malte und Thorsten noch etwas mit ihren Legosteinen. Ich ging mit Gesken ins Badezimmer, damit sie sich fertig machen konnte. Wie bereits erwhänt, ist sie sehr selbstständig, was sicher der Tatsache zu verdanken ist, dass Meta längere Zeit für sie gesorgt hat.

Als sie fertig umgezogen war, rief ich den Jungen zu, dass sie sich bettfertig machen sollten. Mit Gesken ging ich in ihr Zimmer und legte sie ins Bett.

Als die Jungen fertig waren, öffnete ich die Durchgangstür zwischen den beiden Kinderzimmern, holte das Märchenbuch und las ihnen die Geschichte vom dicken fetten Pfannekuchen vor.

Danach machte ich die Tür wieder zu. Die Jungen durften sich noch etwas unterhalten.

„Gesken, wat weer vondaag schöön för di?“
Als ich sie das fragte, leuchteten ihre Augen.
„Du, de Schaap un de Keih. Un de Speckpannkoken weern lecker.“ „Dann bedank die för allens bie Gott un dien Engel.“
„Hartlick Dank för Mama Emma, de Schaap, de Keih, de Hunnen un de Speckpannkoken, lever Gott un goden Schutzengel.“

Bevor sie sich bedankt hatte, hatte sie das Kreuzzeichen gemacht und die Hände gefaltet. Dann betete ich für sie, abends, wenn ich schlafen geh. Dann gab ich ihr noch einen Kuss und deckte sie gut zu.

Malte und Thorsten kennen das Abendritual natürlich. Denn mit jedem von ihnen mache ich es jeden Abend ganz genau so.

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Von Paula Grimm

Als Autorin und Bloggerin heiße ich Paula Grimm. Mein offizieller Name tut hier nichts zur Sache. Ich bin Baujahr 1965 und wohne im Kreis Kleve am linken Niederrhein. Der Spitzname für dieses Blogprojekt lautet Rike1903 und ist der mütterlichen Freundin von Gesken Paulsen, Rike Schmolke, gewidmet.

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